Baltic Raw DE

Baltic Raw, 2020, Lauenburg, Kartierung-Billboard – Fotos: Baltic Raw

BALTIC RAW
STADT OHNE MITTE
MITTE OHNE STADT

Ein Beteiligungsprozess für die Stadt Lauenburg

In Zusammenarbeit mit dem Amt für Stadtentwicklung und dem Künstlerhaus Lauenburg hat das Künstlerkollektiv Baltic Raw 2019 das künstlerisch-architektonische Konzept „Stadt ohne Mitte – Mitte ohne Stadt“ für die Zwischennutzung der Brachfläche an der Berliner Straße entwickelt. Der Entwurf basiert auf Impulsen der gut besuchten Diskussionsreihe „Lauenburg bin ich“.

Baltic Raw Org ist ein Hamburger Künstlerkollektiv bestehend aus Móka Farkas und Berndt Jasper. Im Rahmen ihrer künstlerischen Arbeit entstehen im öffentlichen Raum neue Räume zwischen Skulptur und Architektur. Im Mittelpunkt steht dabei die Partizipation des Publikums. So auch in Lauenburg.

Die ehemalige Brachfläche dient als Spielwiese oder Trainingsgelände, um Wege auszuprobieren, wie sich eine Stadt durch hohe Bürgerbeteiligung neu formen kann. Wie ein Labor, in dem – auch mit möglichen Fehlschlägen – ortsspezifische Lösungen für Lauenburgs Anliegen gefunden werden können.

  • Welche Ideen und Visionen gibt es in der Bevölkerung?
  • Wer macht was und setzt sich wie ein?
  • Wie kann man sich untereinander vernetzen?

Die ursprüngliche Gesamtkonzeption des Projekts „Stadt ohne Mitte – Mitte ohne Stadt“ musste aufgrund der Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona Pandemie und der daraus resultierenden Absage des Städtebautags verändert werden. Daher haben sich Baltic Raw und das Künstlerhaus Lauenburg dazu entschieden, die Diskussion um die Nutzung, Aneignung und Gestaltung der eigenen Stadt durch kleinere Einzelprojekte mit langsameren Schritten auf der Brachfläche fortzuführen.


LAUENBURGS LOKALE ERNTE

Als Antwort auf eine Anregung der Bevölkerung und als Element aktueller Stadtentwicklungsdiskurse zu der Frage „wieviel Natur braucht die Stadt?“ entwickelte sich das Projekt: „Lauenburgs lokale Ernte“. Es handelt sich hierbei konkret um eine Dokumentation der essbaren Pflanzen im Stadtgebiet.

Ein Ziel des Projektes war der Gedanke, das Wissen um Lauenburgs historischen Bezug zur Natur, zu Gärten und Landwirtschaft neu zu beleben. Wo wachsen Obstbäume oder andere Früchte, Gemüse, Kräuter? Wann sind sie reif und wann darf man sie ernten?

Klicken Sie hier, um auf mundraub.org neue Entdeckungen einzutragen und Orte für die lokale Ernte zu finden.

Auf der ehemaligen Brachfläche wurde eine Karte aufgestellt, auf der Lauenburger Anwohner*innen über den Sommer, frei erntbare Pflanzen auf öffentlichem Grund eingezeichnet haben. Damit wurden Anwohner*innen zur Beschäftigung mit der eigenen Stadt und der umgebenden Natur, Bepflanzung und Gestaltung angeregt. Es entstand ein informeller Diskurs zwischen den Anwohner*innen über geeignete Orte und ihre Erkundungen. Die Karte ist interaktiv erweiterbar und dokumentiert auf diese Weise das Projekt langfristig.

Das Projekt „Lauenburgs lokale Ernte“ wird gefördert von „Demokratie leben“!

Das Projekt wird von der Partnerschaft für Demokratie Stadt Lauenburg/Elbe mit den Ämtern Lütau und Büchen im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert.


BILLBOARDS

„DAS RECHT AUF DIE STADT IST EIN RECHT,
UNS SELBST ZU ÄNDERN,
INDEM WIR DIE STADT ÄNDERN“

Henri Lefebvre

„WAS EINE STADT IM 21. JAHRHUNDERT BRAUCHT,
IST EINE STARK SPÜRBARE IDENTITÄT.
WAS SIE BRAUCHT IST
VIELLEICHT EIN URSPRUNGSMYTHOS
AUF DEN ALLE STOLZ SEIN KÖNNEN.
EINE GEMEINSAME ERZÄHLUNG,
FÜHLT SICH REAL AN.“

Paula Simons, Canadian Senator

Baltic Raw, 2020, Lauenburg, Kartierung Billboards – Fotos: Baltic Raw


DAS NUSSBAUMWÄLDCHEN

Diese erste künstlerische Setzung durch Baltic Raw sollte den Startpunkt für ein alternatives Bürgerbeteiligungsverfahren zur zukünftigen Gestaltung des Lauenburger Innenstadtkerns bilden.

Es geht darum, miteinander zu teilen – die Bäume, die Fläche, die Stadt, um sie gemeinsam wertzuschätzen. Die Bäume fungieren als ein identitätsstiftender Faktor, der die Menschen zusammenbringt. Auch wird die Bestimmung und Aneignung des öffentlichen Raumes hinterfragt. Wem gehört die Stadt und welche Ideen entwickeln die Lauenburger Bürger*innen zur Gestaltung und Nutzung ihres städtischen Raumes?
In einem ersten künstlerischen Eingriff installierte Baltic Raw im Frühjahr vor dem mehrmonatigen Lockdown Sitzmöglichkeiten in coronasicherem Abstand auf der Brache um Sitzmöglichkeiten zum Aufenthalt zu schaffen.

Die Fläche wurde mit norddeutschen Nussbäumen bepflanzt, um eine Wiederaneignung des öffentlichen Raumes als Aufenthaltsort zu ermöglichen und eine Diskussion darüber anzuregen, worüber sich die Stadt Lauenburg definiert. Die provokative Idee, dass Lauenburg doch vielleicht eine „Nussstadt“ werden könnte und seine Kernidentität hierüber findet ist als künstlerische Intervention ein Denkanstoß für die Besucher der Brache. Jeder kann durch Teilhabe etwas dazu beitragen eine „neue Tradition zu pflanzen“.

So ist hier auf der ehemaligen Brache der Alte Wache / Berliner Straße ein kleines temporäres Nusswäldchen entstanden. Je nach dem wie es sich um das Gelände entwickelt, werden die Bäume und Sträucher hier eingepflanzt oder finden einen Platz, verstreut in der Stadt. Die Entscheidung sollte im Sinne der gesunden Entwicklung der Pflanzen spätestens im Frühjahr 2022 feststehen. Die Pflanzen stammen aus einer der seltenen Nussbaumschulen in Witzeeze.

Die Idee, gemeinsam Orte für essbare Pflanzen zu finden stammt aus der Bevölkerung.

Baltic Raw, 2020, Lauenburg, Nusswald – Fotos: Baltic Raw Nusswäldchen


Brachfläche Berliner Straße

„Stadt ohne Mitte – Mitte ohne Stadt“

Das Künstlerkollektiv Baltic Raw Org installiert für den Tag der Städtebauförderung auf der Brachfläche Berliner Straße eine Wandzeitung. Diese „öffentliche Bibliothek“ zeigt über Beispiele aus der Praxis das Potential von Bürgerbeteiligung für die Stadtentwicklun

Projekte wie „Winzige Wälder“, „Öffentliche Sauberkeit“ und „Tandem Wahlfamilien“ regen Ideen und Gespräche an. Die Künstler*innen sind anwesend.

Erste Anzeichen eines weiteren Eingriffs von Baltic Raw Org läuten den Frühling ein. Die künstlerische Pflanzung in Form des Wortes „Polis“ wird in Ansätzen bereits sichtbar sein. In den kommenden Wochen wird der Schriftzug aufblühen und den Lauenburger*innen zur Inspiration und Freude dienen.

Parallel organisiert die Stadt anlässlich des Städtebautags im Stappenbecker eine Satellitenausstellung zu Stadtentwicklungsprojekten Lauenburgs. Das Projekt „Stadt ohne Mitte – Mitte ohne Stadt“ nimmt daran teil. Veranstaltungsort: Stappenbecker, Alte Wache / Lütter Markt.

Baltic Raw, 2021, Lauenburg, Brachfläche Berliner Straße – Fotos: Isabelle von Schilcher


Die Projekte von Baltic Raw für Lauenburg werden gefördert vom Fonds Soziokultur aus dem Programm der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) „Neustart Kultur“, dem Tag der Städtebauförderung und dem Künstlerhaus Stadtgalerie Lauenburg.